Wenn der Sommer langsam abzieht und die Terrassen endlich durchatmen, schläft Sitges nicht ein: Es bereitet sich auf Santa Tecla vor. Es ist einer meiner liebsten Momente im Jahr, denn der Ort gehört wieder uns, den Einheimischen, und behält dabei diese Wärme des Saisonendes, in der das Meer noch lau ist. Ende September, um den 22. und 23. herum, legt unser Ort sein festliches Gewand an, um seine Mitpatronin zu ehren.
Santa Tecla ist das, was wir die Festa Major Petita nennen, das “kleine” große Fest. Klein nur dem Namen nach: Es hat die ganze Seele und alle Rituale seiner großen Augustschwester, aber in einer intimeren, familiäreren Version, näher bei den alteingesessenen Leuten. Wo die sommerliche Festa Major von Besuchern überquillt, wird Santa Tecla unter Nachbarn gelebt, in den engen Gassen der Altstadt, nur wenige Schritte vom Hotel Noucentista entfernt.
Wenn ihr die große Festa Major im August schon kennt, findet ihr hier dieselben Protagonisten wieder, aber mit einer besonderen Zärtlichkeit. Und wenn ihr keines von beiden kennt, glaubt mir: Santa Tecla ist ein wunderbares Eingangstor zum echten Sitges, jenem, das tanzt, mit dem Feuer spielt und seinen Riesen zujubelt.
Santa Tecla, die kleine Schwester der Festa Major
Alles dreht sich um die katalanische Tradition, und ich werde ihrer nie überdrüssig. Eine abanderada, die Fahnenträgerin des Jahres, eröffnet die Feierlichkeiten und verkörpert das Fest; es ist eine immense Ehre für die auserwählte Familie. Dann setzt sich der Ort mit der cercavila in Bewegung, jenem Umzug, bei dem man der Musik von Gasse zu Gasse folgt.
Dann kommen die gegants heraus, jene Riesen aus Holz und Pappmaché, die sich tanzend um sich selbst drehen, getragen von Sitgetanern, die unter den Kostümen schwitzen und trotzdem lächeln. An ihrer Seite ziehen die nans, die Dickköpfe, die Fabelwesen und ein ganzes kleines Volk von Figuren, die seit unserer Kindheit zu unserer Vorstellungswelt gehören.
Und da ist der correfoc, das “laufende Feuer”. Als Teufel verkleidete Gestalten schwingen Gabeln, aus denen Funkengarben sprühen, während die Menge darunter im Takt der Trommeln tanzt. Es ist laut, es ist spektakulär, und es ist gutmütig: Man zieht ein altes Kleidungsstück aus Baumwolle an, einen Hut, und lässt sich mitreißen. Die Kinder haben ihren eigenen correfoc, sanfter, am frühen Abend. Nichts davon lässt sich aus der Ferne auf einem Bildschirm ansehen: Man muss den Geruch des Schießpulvers riechen und die Freudenschreie hören.
Die Nit de Foc und das Feuerwerk über dem Strand
Der Höhepunkt ist für mich die Nacht des 22.: die Nit de Foc, die Nacht des Feuers. Nach einem Tag voller Umzüge und Musik strömt ganz Sitges zur Strandpromenade. Und dort entzündet sich der Himmel über dem Mittelmeer. Das vom Strand aus abgeschossene Feuerwerk spiegelt sich im Wasser, gerahmt von der Silhouette der Kirche Sant Bartomeu i Santa Tecla, unserem Postkartenmotiv.
Ich sage es euch ehrlich: An Festabenden ist das Zentrum voll, fröhlich, ein bisschen laut, und genau das sucht man hier. Und genau da ändert eine Unterkunft im Herzen des Ortes alles. Von einer Bleibe in der Altstadt aus erreicht ihr Strand und Kirche in wenigen Minuten zu Fuß, ohne Auto, ohne den Stress der Parkplatzsuche an einem gut besuchten Abend. Und vor allem: Wenn das Feuer erlischt und die Müdigkeit kommt, müsst ihr nur hinauf in ein ruhiges Zimmer gehen, um das Adrenalin abklingen zu lassen.
Das ist der große Vorteil eines kleinen Hauses im Zentrum: Man ist mitten im Fest, ohne je sein Gefangener zu sein. Man geht hinein, man geht hinaus, man kommt für ein Glas zurück und geht dann schlafen. Am nächsten Tag geht man frisch zum Rest hinaus, denn der 23. macht weiter mit Messen, sardanes auf dem Platz und neuen Auftritten der gegants.
Der Jazz, das andere Gesicht des Herbstes in Sitges
Was ich an unserem Herbst liebe, ist, dass er sich nicht auf Feuer und Böller beschränkt. Ist Santa Tecla vorbei, behält Sitges ein intensives kulturelles Leben, und der Jazz hat hier einen alten und sehr lebendigen Platz. Der Ort pflegt seit Langem eine Vorliebe für den Jazz vergangener Zeiten, mit seinen Terminen, an denen man Swing und Standards an überschaubaren, menschlichen Orten hört.
Bei den Terminen bleibe ich lieber vorsichtig, denn sie ändern sich von Jahr zu Jahr, und ich verabscheue es, ein Konzert in Aussicht zu stellen, das vielleicht nicht in eure Reisezeit fällt. Der Geist aber ist beständig: Der Herbst in Sitges ist eine Saison der Musik. Fragt bei eurer Ankunft, und ich zeige euch mit Freude, was während eures Aufenthalts gespielt wird.
Zwischen den Funken des correfoc, den sich drehenden Riesen, dem Feuerwerk über dem Meer und einem gedämpften Jazzabend bieten September und Oktober ein authentisches, festliches und typisch katalanisches Sitges, fern vom sommerlichen Gedränge. Kommt und erlebt es zu Fuß, von der ersten Rakete bis zur letzten Note. Ich erwarte euch.





